Wie bleiben wir in Zukunft gesund? Changemaker – Claudia Traidl-Hoffmann
Shownotes
Hitze, Allergien, chronische Erkrankungen: Für Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann hängen viele Gesundheitsprobleme unserer Zeit eng mit unserer Umwelt zusammen. Die Umweltmedizinerin und Allergologin erklärt im Changemaker Podcast, warum Gesundheit nicht erst in Arztpraxen entsteht und die Medizin der Zukunft präventiv sein muss.
Im Gespräch mit Martin Tillich spricht sie darüber, wie Klima- und Umweltveränderungen unseren Körper beeinflussen, warum Gesundheit viel stärker mit unserem Alltag und unserer Umgebung zusammenhängt, als vielen bewusst ist — und weshalb sie trotz aller Herausforderungen Hoffnung macht.
Links zur Folge: Was tun bei Hitze? Die besten Tipps, um die Hitzewelle zu ertragen Mediziner:innen erklären, was tatsächlich gegen Heuschnupfen hilft
Transkript anzeigen
00:00:00: Wir haben ja ein vermeintliches Gesundheitssystem.
00:00:03: Aber dieses Gesundheitssystem kümmert sich ja eigentlich viel zu wenig um Gesundheit, sondern es kümmerte sich um Krankheit.
00:00:10: Die Medizin der Zukunft ist präventiv!
00:00:30: Sie ist Umweltmedizinerin, Allergologin und eine der wichtigsten Stimmen in Deutschland.
00:00:35: Wenn es um die gesundheitlichen Folgen von Klima- und Umweltveränderungen geht – in ihrem aktuellen Buch Die Medizin der Zukunft beschreibt sie, warum Allergin-, Hitze oder chronische Erkrankung nicht nur medizinische Themen sind sondern auch mit der Welt zusammenhängen, in der wir leben.
00:00:52: Und genau darüber sprechen wir heute.
00:00:54: Wie verändern Umwelt- und Klimaveränderung schon heute unsere Gesundheit?
00:00:58: Und was können wir dagegen tun.
00:01:00: Frau Treidelhoffmann, ich freue mich sehr, dass wir sprechen!
00:01:02: Natürlich, ich freu' mich auch.
00:01:04: Schönen guten Tag.
00:01:05: Wenn Sie morgen eine richtig gute Nachricht aus der Umweltmedizin lesen könnten... ...welche würden sie sich wünschen?
00:01:12: Alle fossilen Energien wurden gestoppt.
00:01:16: Wir haben die Energiewende überhaupt in Deutschland.
00:01:21: das wäre Das größte Gesundheitsprojekt
00:01:24: der Bundesrepublik Deutschland.
00:01:26: Spannende Antwort, die habe ich so überhaupt nicht erwartet dass sie gleich den Bogen zur Energiewende spannen.
00:01:30: wollen Sie noch zwei drei Sätze dazu sagen und das ausführen?
00:01:33: dann sind wir jetzt schon sofort beim Zusammenhang von Gesundheit Klima unter Energie in klammern Krise.
00:01:39: Ja
00:01:40: das ist genau mein Argument das letztendlich Unsere Gesundheitskrise, die wir haben, haben ja aufgrund der Tatsache dass so viele Schadstoffe in der Luft, die hauptsächlich aus Verbrennungsprozessen kommen unsere Schleimhäute.
00:01:55: Unsere Haut durchlässig machen und uns empfänglich machen für Allergien, für chronisch-entzündliche Erkrankungen, für Autoimmunerkrankung.
00:02:05: und das alles eben nur weil wir diese Chemikalien, diese ultrafein Partikel, diese Dieselrußpartikel in der.
00:02:14: Und ja, wenn wir das nicht hätten.
00:02:17: Wenn wir eben nicht diese Verbrennung aus fossilen Energien hätten dann hätten wir sehr viel Gesundheit und wir hätten Souveränität was unsere Energie anbetrifft also eine ganz klassische mehrfache Gewinnsituation für unsere Gesundheit.
00:02:34: Für die Wirtschaft sogar bedeutet die Energiewende ist beides ein Gesundheitsprojekt und ein Wirtschaftsprojekt.
00:02:41: Sie schreiben in ihrem Buch den Satz Wir spüren diesen Wandel am eigenen Leib.
00:02:47: Ich habe mich beim Lesen gefragt, wie ist das eigentlich in der Forschung?
00:02:52: Wird uns da gerade auch erst bewusst wie eng Umwelt, Klima und Gesundheit überhaupt zusammenhängen?
00:02:58: Dieser Zusammenhang zwischen Umwelt-, Klima- und auch Biodiversitätsverlust und Gesundkeit – das ist etwas was wir in der Umweltmedizin seit ja mehr als zwei drei Jahrzehnten wirklich zunehmend verstehen.
00:03:14: Aber wirklich dieser direktes Zusammenhang zwischen Umwelt und Gesundheit ist im Prinzip als Durchbruch zu sehen, als wir verstanden haben dass sogar die Umwelt genetische Faktoren verändert.
00:03:28: Die sogenannte Epigenetik!
00:03:30: Und ich glaube das war auch der Punkt wo diese Umweltforschung eine Sichtbarkeit innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft gefunden hat.
00:03:39: Vorher war das so ein bisschen Umwelt und auch die Tatsache, dass das Rauchen auch Krebs verursacht.
00:03:45: Wie lang war das wirklich etwas, was ja auch verneint wurde?
00:03:51: Aber der Punkt wo wirklich gezeigt wurde, dass Umwelt Gene ein- und ausschalten kann – wir sind hier im Changemaker!
00:04:03: Podcast.
00:04:03: Das hat wirklich auch den Change gemacht in der Wissenschaft und da haben wir wirklich gesehen, dass ja das die Umwelt unsere Gene verändern kann und einen massiven Einfluss hat.
00:04:14: und dann ist fast eine Welle losgebrochen.
00:04:18: und heute muss man sagen der Zusammenhang zwischen Umweltklima Biodiversitätsverdust und Gesundheit is ein Riesenforschungsthema was jeden Tag mehr Evidenz bringt im Bezug auf wie Umwelt uns krank macht, aber ganz wichtig.
00:04:35: Wie intakte Umwelt uns gesund
00:04:37: hält.".
00:04:37: Ja danke auch für den positiven Aspekt.
00:04:40: das heißt also habe ich auch ihr Buch wahrgenommen eigentlich beziehungsweise sie fordern dass unser Verständnis wie wir Medizin verstehen sollte müsste sich verändern.
00:04:50: Ich hab nochmal ein Zitat mitgebracht weil mir das sehr gut gefallen hat und zwar Gesundheit entsteht dort wo Menschen leben nicht dort wo sie behandelt werden.
00:05:00: Gesundheit beginnt also nicht erst in Arztpraxen oder Krankenhäusern, wenn ich sie richtig lese.
00:05:05: Ja wir haben ja ein vermeintliches Gesundheitssystem aber dieses Gesundheitssystem kümmert sich ja eigentlich viel zu wenig um Gesundheit sondern es kümmerte sich um Krankheit.
00:05:17: und deswegen dieser Aussage dass Gesundheit nicht in Arzpraxens entsteht nicht nur sondern wirklich Gesundheit und Gesund-Erhaltung entsteht da, wo wir leben.
00:05:29: Das was wir essen, das was wir einatmen und dass ist etwas, was viel zu wenig gedacht wird.
00:05:34: deswegen ist auch die Quintessenz und wirklich die wichtigste Nachricht auch meines Buches und auch die Nachrichten ich habe an alle Zuhörerinnen und Zuhörer Die Medizin der Zukunft ist präventiv.
00:05:50: Die Medizin der Zukunft muss dafür sorgen, dass der Mensch gesund bleibt.
00:05:57: Das kann der Mensch nur dann gesund bleiben, wenn er auch in einer gesunden Umwelt ist.
00:06:03: Und das ist etwas was noch überhaupt gar nicht im Fokus
00:06:06: ist.
00:06:09: Was ich insbesondere spannend daran finde dass es ja eigentlich wieder so naheliegend klingt Vorbeugen statt im Nachhinein Versorgen reparieren und so weiter.
00:06:19: haben sie eine Idee davon warum das so ist?
00:06:21: wie's ist Dass wir erst jetzt darauf stoßen dass die Vorsorge die bessere Möglichkeit wäre?
00:06:28: Ganz ehrlich habe ich mir diese Frage auch schon sehr häufig gestellt und ich hab jetzt wieder keine vernünftige Antwort, weil es ist genauso wie Sie sagen.
00:06:37: Es ist wirklich so naheliegend dass es viel sinnvoller ist den Zaun zu reparieren als immer wieder die Hasen einzufangen.
00:06:48: Das ist absolut richtig!
00:06:49: Diese Prävention ist so wichtig aber ich glaube das auch hier vielleicht dieser Faktor Dass man es nicht genau erkennt, meine ich.
00:06:57: Ich zünde mir natürlich nicht, dass wir das jetzt nur übertragen haben.
00:07:00: Aber ich zunde mir heute die Zigarette an und das tut mir jetzt gut aber ich denke dann nicht drüber nach oder Es liegt zu fern, dass sich in zehn Jahren Lungenkrebs entwickeln kann.
00:07:09: Ich glaube diese zeitliche Verzögerung dessen was ich tue An schlechten Und der Effekt Das ist die Problematik und das ist eine doppelte Problematika nicht nur für das ich tue mir jetzt was Gutes, weil es mir in zehn Jahren hilft.
00:07:27: Sondern das ist auch etwas, was uns auch in der Forschung immer wieder wirklich auf die Füße fällt dass wir sagen dies und des Projekts müssen wir machen und dann heißt es immer Milestones und so und dann können wir sagen ja aber Effekte können wir erst in zehn jahren wenn wir über Prävention sprechen zeigen.
00:07:42: Und das is ein Zeithorizont der Für jeden Geldgeber im Problem ist Wenn wir zehn Jahre brauchen um Effekten zu zeigen.
00:07:51: Das heißt also, das ist nicht nur ein Problem im Tun.
00:07:55: Sondern auch an dem Forschen was die Umwelt mit uns macht und was
00:08:00: gerade eben Präventionen betrifft.
00:08:03: Letztlich ist das langfristige Denken auch das, was den Thema Nachhaltigkeit in allen Bereichen wo man versucht sie umzusetzen schwierig gemacht wird.
00:08:13: Das ist ja sowohl bei der Energiewende, die Sie angesprochen haben so.
00:08:17: Das ist bei der Frage, wie wir Städte umbauen und so weiter und sofort.
00:08:24: Und das ist auch in Unternehmen so die sagen hey ich möchte eigentlich nachhaltig wirtschaften aber dann muss sich doch als Angestellter oder Leitender XY oder leitende die Quartalszahlen angucken.
00:08:40: Das ist immer dasselbe Problem auf das man stößt kurzfristiges Denken gegen die nachhaltige Perspektive?
00:08:47: Ja, ich glaube dass wir vielmehr eben gerade Nachhaltigkeit auch mit einem Wirtschaftsfaktor verbinden müssen.
00:08:54: Weil wenn wir jetzt uns wirklich mal anschauen Wir sind auch jetzt grade in Augsburg wieder dabei ein Universitätsklinikum zu planen was sehr wahrscheinlich erst wirklich funktional wird Wenn ich bereit in Rente bin und Ich habe noch ein bisschen Anzeit bevor ich in Rnte gehe.
00:09:15: Aber es heißt also, wir müssten jetzt darüber nachdenken wie dieses Krankenhaus in Zukunft auch ja ein Krankenhaus ist indem man behandeln kann bedeutet.
00:09:24: Jetzt hier in Nachhaltigkeit zu investieren ist sehr sinnvoll weil sonst haben wir dieses Klinikum stehen und müssen dann direkt wieder irgendwie nachbessern
00:09:33: weil
00:09:33: die Menschen daran nicht arbeiten und nicht gesund werden können was viel zu heißes.
00:09:38: Das heißt also, dieses jetzt günstige aber dann im Nachhinein sehr viel teurer kann man vielleicht auch mit dem Zinseszins so ein bisschen klarer machen.
00:09:46: Ja das ist wirklich jetzt sinnvoller ist zu investieren und dann eben in fünfzehn zwanzig Jahren nicht drauf zu zahlen.
00:09:54: Und anderer Punkt kommt jetzt es gibt klare Daten die zeigen dass ein Hitzetag uns heute bereits vierhundert Millionen Euro kostet.
00:10:08: Ich sage es gerne nochmal.
00:10:10: Es ist vierhundert Millionen Euro pro Hitze-Tag, kostet uns das in der Wirtschaft gerade?
00:10:17: und jetzt?
00:10:18: hoffentlich sitzen die meisten gerade das produzierende Gewerbe und zweitens Gesundheitssektor?
00:10:26: Und warum verlieren wir diese Vierhundert Million Euro?
00:10:29: weil die Menschen nicht mehr effizient
00:10:31: arbeiten können?
00:10:32: Lassen Sie uns gern beim Thema Hitze bleiben.
00:10:35: Ja.
00:10:36: Spannend daran ist ja wiederum Das Hitze eigentlich das ist, womit wir Klimaerwärmung am unmittelbarsten am eigenen Körper spüren.
00:10:45: Sie haben jetzt gesagt inwiefern die Hitze wirtschaftlich vielleicht noch unterschätzt wird aber sie sagen im Buch ja auch, sie wird medizinisch noch unterscht.
00:10:55: Können Sie das noch ein bisschen ausführen?
00:10:57: Ja, Hitze wird als Risiko zum Teil... nicht wahrgenommen, wobei man auch sagen muss hier ist wirklich in den letzten Jahren und das ist jetzt kein Jahrzehnt sondern dass es in den Letzten zwei drei Jahren hat sich da was entwickelt.
00:11:09: Aber wenn man sich auch überlegt wie Hitze dann dargestellt wird Wenn's jetzt wärmer wird In den nächsten Tagen wird es wärmer werden Dann werden wir weder sehr wahrscheinlich in der Berichterstattung die eisschläckenden Kinder sehen.
00:11:24: Das heißt also Das größte Problem an der Hitze, sie wird von der Gesellschaft aber auch von der Medizin unterschätzt.
00:11:31: Und das sehe ich eben auch im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen.
00:11:36: Wobei auch hier sich eine Änderung wirklich zieht ein in das Gesundheitssystem.
00:11:44: Dieses Problemhitze wird immer deutlicher.
00:11:46: Aber vor vier, fünf Jahren ... wäre auch eine Pressemitteilung, auch aus Kliniken möglich gewesen.
00:11:53: Hitze ist kein Problem!
00:11:55: Das wird heute nicht mehr passieren.
00:11:58: und das Wichtigste an der Hitze sind wirklich wir müssen es ernst nehmen und dann kommen die nächsten Schritte.
00:12:04: Da sie ja auch praktizierende Ärztin sind finde ich super.
00:12:07: Wir geben unseren Hörern und Hörer ein paar praktische Tipps mit und bleiben nicht nur auf der Meta-Ebene.
00:12:13: was würden Sie denn sagen?
00:12:14: Welche Wahnsignale sollte man den Ernst nehmen bei Hitze?
00:12:18: also jetzt sind wir erst im im Mai, die Folge strahlen wir.
00:12:23: Ende Mai kommt die online.
00:12:25: Im Juli-August werden diese Tipps dann vielleicht wertvoll?
00:12:28: Ja
00:12:29: also der Sommer kommt sehr bald und wir sehen ja die Hitze nimmt zu und gerade in den Städten.
00:12:36: das heißt also das Wichtigste was tun müssen und das ist etwas, was man rechtzeitig tun muss.
00:12:42: Die Menschen die sowieso Erkrankungen haben, müssen wir auf ihre Medikamentenliste schauen und diese Medikamente Liste mit ihrer Ärztin oder mit ihrem Arzt durchsprechen.
00:12:51: Und wenn das gerade Medikamente sind wie Blutdruck senkende Medikmente oder MedikAMente, die die Nierentätigkeit beeinflussen oder auch Psychopharmakar, dass sind grade die MedikAmente, Es um Hitze-Einfluss geht, weil es kann sein dass die bei Hitze mehr oder weniger aktiv sind und dann kann es zu Überdossierungen oder Unterdossierung kommen.
00:13:17: Und deswegen das ist schon mal ganz wichtig.
00:13:20: Also Medikamente ist das Erste!
00:13:25: einfache Dinge eigentlich, die auch wieder so naheliegen.
00:13:28: Dafür sorgen das die Räume kühl sind.
00:13:30: und jetzt ganz konkret aus unserer Forschung wir wissen dass gerade die Nächte auch so wichtig
00:13:37: sind.
00:13:38: Das ist der gute Schlaf, wissen wir ja auch, der gute schlaf ist präventiv für viele chronisch entzündliche Erkrankungen auch für Demenz.
00:13:46: aber wenn es auch noch nachts heiß ist also über zwanzig grad Dann haben gerade ältere Menschen und grade ältre Frauen ein höheres Risiko, einen Schlaganfall zu entwickeln.
00:13:58: Bedeutet wirklich dafür sorgen dass man eine kühle Umgebung hat nachts das heißt also schon tagsüber verschatten oder eben dafür sorgen, dass man dann eventuell ein Ventilator hat im Zimmer Und wenn man in einem heißen Raum sitzt dann immer das Glas Wasser daneben hier.
00:14:18: ich trink auch mal einen Schluck Immer ein Glas Wasser daneben, also einen Glas Wasser pro Stunde.
00:14:24: Und das hilft einfach diesen Ausgleichsmechanismus wirklich im Körper stabil zu halten.
00:14:32: und dann leichtes Essen sowieso sinnvoll.
00:14:36: Pflanzen dominiertes Essen ist sowieso gut für den Körper aber gerade während der Hitze dann auch Obst immer wieder stehen haben.
00:14:45: und dass es diese Ernährung leichte Ernährungen die wir brauchen während der Hitzetage Ja, und ganz wichtig natürlich gerade für die Menschen, die draußen arbeiten.
00:14:56: Die auf den Baustellen sind oder in der Landwirtschaft.
00:14:59: Kopfbedeckung und Einkreem-Hautkrebs ist auch eine Geschichte, die massiv ansteigt, gerade der weiße Hautkrebs.
00:15:08: Und dann natürlich eben versuchen sich immer wieder im Schatten abzukühlen weil wir sehen – und wir haben bereits bei uns Handwerker die morgens noch völlig gesund waren und abends am Hitzeschlag gestorben sind.
00:15:22: Also das ist eine ernstzunehmende Geschichte, und es nicht einfach cool wenn man bei Hitze mit freiem Oberkörper und ohne Kopfbedeckung auf der Baustelle
00:15:30: arbeitet.
00:15:30: Wie sind wir denn diesbezüglich in Deutschland?
00:15:33: aufgestellt.
00:15:34: Also ich frag mich das regelmäßig an den Hitzetagen, wenn ich Bauarbeiter und so weiter sehe am Asphalt arbeiten oder auf Dächern arbeiten.
00:15:42: müssen wir da sozusagen auch noch aufholen in der Prävention und sagen an bestimmten Tagen kann da nicht gearbeitet werden?
00:15:49: Oder wie weit sind wir denn da ihre Meinung nach?
00:15:51: Ich
00:15:51: glaube wir sind da noch nicht weit genug.
00:15:53: Das ist eine Sache des Arbeitsschutzes.
00:15:55: Wir haben ja ein Masterplanprävention.
00:15:57: Judith Gerlach unsere Gesundheitsministerin des Staatsministeriums für Gesundheit in Bayern hat ein Masterplan aufgestellt und hier sitzen wir gerade in unterschiedlichen Arbeitsgruppen zusammen.
00:16:07: Und da sitzen wir jetzt auch unter anderem mit Personen zusammen, die grade solche Fragen klären.
00:16:14: könnte man eventuell sagen an diesen Tagen wenn es so heiß ist starten wir schon um fünf Uhr auf der Baustelle oder noch früher und halten die Siesta ein oder tatsächlich wir arbeiten gar nicht an diesen Tage.
00:16:27: das ist hochkomplex Und aber erfordert runde Tische, wo dann nicht nur geredet wird sondern wo Maßnahmen ergriffen werden.
00:16:35: Aber es muss einfach klar sein das ist ganz klare Arbeitsschutz und da sind uns Länder wie Spanien und Italien auch weit voraus.
00:16:42: Da kann man einfach mal hinschauen und die Dinge copypaste übernehmen weil sie Sinn
00:16:47: machen.
00:16:48: Ja ja Lassen Sie uns nochmal springen vom einen Gesundheits Thema zum anderen.
00:16:54: Das hatten sie einleitend schon angesprochen.
00:16:58: Ich meine Allergien Asthma, Neurodermitis.
00:17:01: Das sind ja alles Krankheiten wo man leidenhaft denkt oh die verbreiten sich aber mehr.
00:17:06: ich kenne immer mehr Leute Die an ihrem oder dem anderen leiden.
00:17:11: Soweit ich weiß sagen das auch die Zahlen und sie haben einleitend gesagt naja der Grund dafür ist Ja dass die leute mehr umweltexpositionen ausgeliefert sind.
00:17:22: können Sie dazu noch mal ein paar setze sagen?
00:17:24: wie der zusammenhang ist?
00:17:25: ist er so einfach?
00:17:26: mehr umwelt Ich sag jetzt mal Leinhaftgifte, mehr Krankheiten oder wie stellt sich das da?
00:17:33: Also das stellt sich so ein bisschen komplexer dar.
00:17:35: um das jetzt mal vorab zusammenzufassen.
00:17:37: Ein Mehr an Schadstoffen ist schlecht aber wir sehen auch einen weniger entschützenden Faktoren und vielleicht bringen wir das mal eben ganz kurz zusammen.
00:17:46: also mehr Schadstoffe bedeutet auch mehr Diesel-Ruspartikel oder mehr ultrafeine Partikel Und das wissen wir ziemlich genau, wie das Molekular auch klein klein funktioniert.
00:17:58: Wir wissen, wie diese Substanzen die Barriere stören der Haut.
00:18:02: Also bedeutet... Die Haut kann man sich vorstellen wie so eine Mauer mit unterschiedlichen Steinen und zwischen den Steinen ist Zement und dieses Zement wird angegangen von diesen Schadstoffen.
00:18:13: Und dann fehlt das Zement, ist die Mauer undicht und erst kommen wir mit vielen Sachen in Kontakt und erst entsteht die Allergie weil das Immunsystem ganz neue Stoffe sieht, die durch die intakte Barriere gar nicht mit dem Immunsystem in Kontakt gekommen wäre.
00:18:30: Das heißt dann nimmt die Allergie oder auch die Autoimmunerkrankungen ihren Lauf durch diese defekte Barrieren.
00:18:37: Das ist der eine Punkt!
00:18:39: Das heißt also Schadstoffe führen dazu den Weg zu Bahnen in Richtung chronisch entzündliche Erkrankung?
00:18:47: Der andere Punkt Wir haben einen Biodiversitätsverlust.
00:18:52: Und zwar im Großen und auch im Kleinen, um das jetzt noch mal klarer zu machen.
00:18:56: Im Großen meine ich wirklich in unserer Umwelt.
00:18:58: Wenn wir unsere städtische Umwelt anschauen, wenn wir unser Asphaltwüsten anschauen wo kein Baum oder wenig Bäume stehen da dann haben wir eine sehr, sehr reduzierte Vielfalt und wir wissen dass diese reduzierte Viehfalt mit der Entwicklung von chronisch entsündlichen Erkrankungen und das geht über Krebs, Asthma-, Herz-Kreislauferkrankungen, mentale Erkrankung wirklich.
00:19:20: Über diese ganzen Entkrankungsspektrum mit der Allergie hinweg und dann eben der Verlust von Biodiversität auch in der Mikroemwelt die Mikroben in unserem Darm.
00:19:31: wir sehen eine Reduktion je stärker entwickelt ne Gesellschaft ist.
00:19:35: da sehen wir eine Reduktion der Mikroben auch im Darm und auf der Haut.
00:19:42: Da sind ganz viele schützende Faktoren, die noch nicht mal einzeln wirken, sondern auch in der Gemeinschaft.
00:19:49: Das ist wirklich so.
00:19:50: ne Mannschaft kann man sich vorstellen, die uns wie ein Netz hält in der Gesundheit.
00:19:57: Das heißt ja einen Mehreinschadstoffen und weniger an Schützenanstoffen führt dazu dass diese chronisch entzündlichen Erkrankungen mehr werden in der Gesellschaft.
00:20:07: Und
00:20:08: heute schon, ich gebe Ihnen nochmal eine Zahl,
00:20:13: seventy-two Prozent aller Todesfälle weltweit werden durch umweltbedingte
00:20:21: Erkrankungen ausgelöst.
00:20:27: Und das sind diese sogenannten nicht übertragbaren.
00:20:35: Das ist Diabetes.
00:20:38: Das sind Herz-Kreislauferkrankungen, das ist Asthma und diese fünf großen Erkrankungsgruppen machen diese seventy zwei Prozent aus.
00:20:47: Und die haben gemeinsam den Umwelteinfluss und die Konizität.
00:20:52: Das ist wie so oft bei der Problembeschreibung ein düsteres Bild.
00:20:57: Jetzt komme ich mit einer sehr vereinfachten Frage was kann man denn tun?
00:21:02: Von Neurodiamitis und Allergien zum Beispiel kann man sich ja ganz gut schützen.
00:21:05: Ja, also das ist wichtig und das war mir auch in meinem Buch so wichtig.
00:21:10: Ich habe ja schon mal ein Buch geschrieben, dass es das Buch überhitzt und das sind die Problemstellungen.
00:21:16: Das sollte man vielleicht nicht unbedingt abends lesen weil wie Sie sagen, das macht einen wirklich betroffen.
00:21:24: Das neue Buch ist im Prinzip die Lösung.
00:21:28: ganz viele Patientengeschichten drin und eben die Frage was kann ich tun?
00:21:31: Und es gibt so viel!
00:21:34: Die Quintessenz ist ja Prävention, das Verhindern.
00:21:37: Und Neurodermitis und Allergien kann man tatsächlich verhindern.
00:21:42: zum Beispiel wir wissen je näher ein Kind an einer befahrenden Straße lebt um so höheres die Wahrscheinlichkeit dass dieses Kind eine Neurodamitis oder eine Allergie entwickelt bedeutet Wohnort, Wohnort.
00:21:52: Wo ziehe ich hin?
00:21:53: Wo wohne ich mit meiner Familie?
00:21:56: Das ist natürlich auch eine soziale Frage.
00:21:59: Insofern die Sozialbündner Achteiligten haben hier natürlich auch ne geringere
00:22:03: Wahrscheinlichkeit... oder eine geringere
00:22:06: Fähigkeit Prävention zu machen.
00:22:09: Deswegen sprechen wir auch nicht mehr nur von Verhaltensprävention, was kann ich tun?
00:22:14: Sondern die Verhältnisprävenzion!
00:22:17: Wie kann ich Verhältnisse schaffen, dass ein Mensch gesund bleibt?
00:22:21: und da müssen wir das Verhältniss schaffen gesunde Luft saubere Luft in der Stadt damit unsere Kinder keine knower damit es entwickeln.
00:22:30: so wenn Ich jetzt einen Kind habe oder Wenn ich jetzt Mutter Vater Ich bin jetzt gerade schwanger, dann kann ich schon während der Schwangerschaft mich sehr vielfältig ernähren oder eben auch in intakte Natur gehen.
00:22:45: Der Urlaub auf dem Bauernhof – gerade im ersten Lebensjahr macht superviel Sinn!
00:22:50: Der Kontakt mit Tieren ist präventiv und ... Zum Beispiel, ich hoffe, wenn das jetzt meine Söhne, die nicht zuhören ... Hunde sind protektiv.
00:23:01: Weil ... Die durften keinen Hund haben?
00:23:03: Sie durften kein Hund haben!
00:23:05: Ich verstehe.
00:23:06: Weil ich einfach nicht wusste, wie ich das auch noch zeitlich einbringen sollte.
00:23:11: Also zwei Hunde besser als ein Hund.
00:23:14: Das sind wirklich bevölkerungsbezogene
00:23:17: Studien, die genau das zeigen.
00:23:19: Interessant.
00:23:21: Das ist ja auch die alte Geschichte, ich sag mal übertriebene Hygiene.
00:23:26: Die dann in Ende der Siebziger-Achzigerjahreaufgaben.
00:23:28: hat man damals schon für verantwortlich gemacht, dass das Meer an Allergien entsteht?
00:23:32: Genau!
00:23:33: Das ist die sogenannte Hygienerypothese... Urwaldhypothesis gibt mehrere aber am Ende ist es tatsächlich das gesunde Mix was Mama schon immer sagte.
00:23:44: also wirklich Es geht auch nicht um Toleranzentwicklung gegenüber Schadstoffen.
00:23:51: Das können wir nicht, Schadstoffe sind Schadstopfe.
00:23:53: Wir brauchen dieses gesunde Mix an Mikroben und Natur, an Farben für unsere mentale Gesundheit.
00:24:03: Die bunte Umwelt ist so wichtig!
00:24:10: und hält uns wirklich gesund.
00:24:13: Und das ist die gute Nachricht, dass können wir tun!
00:24:15: Wir können doch unsere Städte so machen, wir können doch uns vielfältig ernähren.
00:24:20: Wir können nicht rauchen – es möglich?
00:24:23: Ich kann kein Alkohol trinken, das sind alles Dinge, die ich machen kann
00:24:27: und die
00:24:27: gut für meine Gesundheit sind und dann eben auch für
00:24:31: meine
00:24:31: Kinder.".
00:24:32: Danke.
00:24:34: Ich finde bei Ihnen sehr spannend, Forscherin Perspektive mit der praktizierenden Ärztin sozusagen zusammenfällt.
00:24:43: Ich stelle mir ihren Alter übrigens einigermaßen stressig vor, aber das wollte ich jetzt nicht abfragen sondern ich wollte sie fragen wie sehr verändert denn auch dieser direkte Kontakt den Sie mit kranken Patientinnen und Patienten haben Ihren Blick auf das große Ganze also die Umwelt- und Gesundheitsthemen?
00:25:04: Im Prinzip erhöht das meine Motivation noch mehr zu tun, weil ich einfach die leidenden Menschen sehe.
00:25:10: Weil ich einfach den Menschen mit Neurodermitis sehe, die natürlich auch gut behandeln kann.
00:25:15: Wir können eine Neuro-Dermitis durchaus verhindern aber ich kann sie auch fantastisch behandeln heute!
00:25:22: Das ist etwas was mich natürlich motiviert.
00:25:25: Aber gleichzeitig, wenn ich eben die Kinder mit Neuridermitis sehe, die wirklich so stark leiden.
00:25:31: Dann erhöht das einfach meine Motivation, meinen Druck kann ich auch sagen, mit meinem Team und mit meinem internationalen Netzwerk hier Lösungen zu finden und die Prävention nach vorne zu treiben.
00:25:42: Und da deswegen bin ich ja nicht nur Ärztin und ich bin nicht nur Universitätsprofessoren Ich bin Forscherin und dann auch noch Wissenschaftskommunikatorin, weil ich glaube es bringt nichts wenn nicht nur in meinem Patientenzimmer spreche.
00:26:00: Und es bringt auch nichts, wenn ich nur mit Wissenschaftlerinnen spreche sondern wir müssen genau das was wir tun die Nachricht in die Bevölkerung bringen.
00:26:09: Weil es ist so evident man kann so viel tun Es ist so viel Hoffnung da!
00:26:14: Und diese Hoffnung müssen wir einfach rausrufen einfach alle mitmachen und es ist möglich, auch wenn natürlich die Herausforderungen sehr groß sind.
00:26:27: Das ist super!
00:26:27: Die Frage nach der Hoffnung stelle ich oft gerne selbst.
00:26:31: das muss sich in dem Fall jetzt gar nicht machen.
00:26:33: Ich würde Sie noch gern fragen Wenn sie das große Bild zeichnen würden von der Medizin der Zukunft wie sähe die denn im Idealfall aus?
00:26:42: Die Medizin der Zukunft schaut bei der Prävention nicht nur auf den Menschen, sondern die Medizin schaut auch auf die Umwelt und schaut darauf wie wir die Umwelt gestalten können dass Prävention möglich ist.
00:26:59: Und das ist die Medizin der Zukunft, die wir brauchen und das wird eine Medizin in der Zukunft sein wo in alle Politikbereiche Medizin Gesundheit mit rein spielt Die Verkehrspolitik, in die Energiepolitik.
00:27:16: In die Schulpolitik... Also überall muss Gesundheit und Kann-Gesundheit das Argument sein was Menschen zum Handeln bringt weil alle die jetzt zuhören und krank sind wissen es gibt nichts Wichtigeres als Gesundheit.
00:27:32: Das stimme ich vollkommen zu.
00:27:33: und das Interessante ist dass vielleicht das Ganze also Gesundheit spielt bei all diesen Bereichen mit, die Sie genannt haben.
00:27:41: Vielleicht klappt es ja mit der Gesundheit besser als beim Klima?
00:27:45: Das haben wir auch schon versucht und das Gute ist dass die Dinge dann trotzdem zusammenhängen.
00:27:51: Ich bin schon bei meiner letzten Frage angekommen, die ich immer seit einiger Zeit als letzte Fragestelle und frag sie Wenn Sie allen Menschen in Deutschland eine kurze Nachricht auf Smartphone senden könnten was würde drin stehen?
00:28:04: Das muss auch nicht zu Ihrem Thema sein.
00:28:06: Hoffentlich!
00:28:07: Super Super.
00:28:09: Ich bedanke mich für das Gespräch, ich fand es superinteressant!
00:28:12: Wir hatten das große Ganze im Blick und auch ein paar nutzwertige Tipps – ich glaube, dass ist genau die Mischung, die unsere Hörerinnen und Hörern gerne hören.
00:28:20: Vielen Dank fürs Gespräch.
00:28:22: Natürlich, ich danke Ihnen und ja hoffe,
00:28:24: dass wir was bewegt haben.
00:28:26: Das will ich doch auch hoffen.
00:28:27: Und zum Abschluss vielen Dank fürs Zuhören.
00:28:30: liebe Hörerin und Hörer Wenn ihr es noch nicht gemacht habt, drückt die Glocke damit ihr informiert werdet wenn eine neue Folge online geht.
00:28:37: Wie gesagt haben wir unser neues Format Good News Online das ab jetzt meine Kollegin Carti jeden Samstagmorgen für euch online bringt und schreibt uns auch gern an podcastautopia.de wie euch die Folgen gefallen haben oder vielleicht auch mit welchen Gästen ich mal sprechen sollte.
00:28:54: macht's gut!
Neuer Kommentar